Roger Kirk   -  Legendary Founder


Roger Kirk -  mein Nachruf ist eine Würdigung und Verbeugung vor Dir!

Nach dem Tod sollte alle Meinungsverschiedenheiten ruhen, der Respekt vor dem Wort
 "RUHE IN FRIEDEN"  gebietet das.

!!!!!   one of the best DJ's is dead:  Roger Kirk > R.I.P., dearest friend !!!!

Mein Freund Roger hatte viele Kritiker - diese sollten nun nach seinem Tod verstummen. Er war ein streitbares intelligentes Original. Unbestreitbar ist sein riesiges Musikwissen, verbunden mit einer ebenso großen Musiksammlung von vor allem seltenen Raritäten und er hatte das charismatische Talent, zum einen mit seinen Radioprogrammen und den feinfühligen Musikübergängen und zum anderen seinen kurzen Moderationen mit markanter Stimme die Zuhörer sofort in seinen Bann zu ziehen.  Nicht nur im Radio, auch auf selbst hergestellten CD*s und im lokalen Rahmen des Landkreises Hanau in Discotheken, Clubs und Gaststätten, wo er in einer Doppelfunktion gleichzeitig DJ und Herausgeber der Regionalillustrierten "bla-bla" war. Den bescheidenen Erfolg mit dem Blatt "bla-bla" haben ihm manche nicht gegönnt, obwohl er sich wortwörtlich "totgearbeitet" hat mit seinem Lebensstil "wenig Essen, viel Kaffee und noch mehr Zigaretten". Ich war über Jahre hinweg zeitweise weiter weg, zeitweise sehr eng mit ihm verbunden, wir hatten unter anderem auch eine gemeinsame Firma, die einige Zeit als Träger seines "bla-bla" -Projektes fungierte. Er war mein Freund. Nicht nur bei mir, sondern vielen anderen ist es ebenfalls passiert, daß man beim ersten Hören seiner Stimme in einem Medium wie dem Radio sofort aufhorchte und mehr von ihm - und seiner Musik - hören wollte.  Dieser Effekt war klar erkennbar, habe ich oft erlebt und wurde mir häufig berichtet.  Wir lernten uns wie sollte es anders sein, über das Radio kennen. Roger (bürgerlich Ernst Roger Certkov, mal verheiratet mit einer russischen Dame aus St. Petersburg) war in der Phase nach "Radio Victoria" und vor Gründung seines Regionalblattes auf der ständigen Suche nach neuen Sponsoren, aber er hatte - was viele ignorieren - .....zwei Seiten:  eine streitbare und fordernde, und eine gebende, geheime Seite seiner Persönlichkeit. Im Freundeskreis - u.a. meiner Ehefrau - verschenkte er zu besonderen Anlässen CD*s, von Sendungen nur für eine Person, die demnach als Unikate zu bewerten sind, mit  viel Liebe, Mühe und Zeitaufwand hergestellt.  Bei privaten Festivitäten fungierte er ohne Bezahlung als DJ, und bei neugegründeten Gastronomiebetrieben arbeitete er vielfach nicht nur als DJ und Werbefachmann, sondern fasste auch tatkräftig an mit harter körperlicher Arbeit. Dies habe ich selbst 11mal erlebt, wie oft es überhaupt in diesen langen Jahren war, bleibt ungezählt. Und am Ende eines solchen Tages nach vielleicht 17 oder 18 Stunden erhielt er als Entlohnung 20€ oder so für alles und ein warmes Essen. Viele Gastwirte haben ihn ausgenutzt; schade.  Es gibt für jeden Menschen eine innere Antriebsfeder, für ihn war es die Verbreitung von schöner und rarer Musik selbst nur vor 20 Gästen (könnte ja jemand dabei sein, der jemand kennt, der das nächste Radioprojekt finanziert) und seine frühen Erlebnisse, dass diese wunderbare Musik nur mit Piratensendern und/oder Liveauftritten zu verbreiten war, da sich die "öffentlich-rechtlichen" Rundfunk-Anstalten europaweit dagegen sperrten. So hat er neben seiner mehr als immensen Arbeitsbelastung (Regionalblatt im 1-Mann-Betrieb von der Erstellung bis zum Druck bis zur Verteilung, Regional DJ, dann DJ für Radio Northsea International, Helfer für Neugründer, ehrenamtlicher Berater bei Klein-Radios im Web, aktive Mitarbeit bei Radio 30 plus,  etc., gleichzeitige tägliche Akquise von Anzeigenkunden für das Regionalblatt - denn dieses wurde kostenlos verteilt) noch in der frühen Zeit zusätzlich ab und an Kleinst-Piratensender auf UKW betrieben, nur für ein paar hundert (oder weniger) dankbare Hörer, oft in Rodgau und Dietzenbach, so habe ich ihn kennengelernt, er gab eine Telefonnummer einer Sporthalle in seinem Piratenradio an, und ich meldete mich, total fasziniert, wie vor und nach mir andere. Roger hat all diese Aktivitäten aus seiner eigenen Tasche finanziert, was ein Opfer für ihn darstellte. Aber Radio, Freies Radio oder auch Piratenradio wie geschildert, war für ihn das Medium zur Übertragung seiner Musikauswahl, die immens interessant war, da er den Hörer mit Titeln verblüffte, die dem Hörer zwar unbekannt waren, echte Raritäten, aber trotzdem "ins Ohr" gingen. So hatte er zum Beispiel eine Serie von Single B-Seiten, die in Radio Victoria und später gespielt wurden. Und wie Jules Verne war er seiner Zeit voraus, so hat er die "Neue Deutsche Welle" ein halbes Jahr vor Nena's erstem Auftritt vorhergesagt, und mit seinem Radio Victoria war er der erste, der "New Wave" Musik kontinuierlich spielte und damit förderte!

Sein abwechslungsreiches Leben war durchzogen von Enttäuschungen und Rückschlägen, er ist jedoch immer wieder in der Lage gewesen, von vorne zu beginnen, und in den Jahren vor seinem Tod war er merklich ruhiger geworden. In einer e-mail schrieb er sinngemäß:  "Hätte ich nicht wie ein Missionar mein Leben lang die beiden Standpunkte verteidigt, daß die "Seesender" wie Radio Caroline und RNI erst die heutige Radiolandschaft ermöglicht haben, und daß jedes Musikradio ein hörerbezogenes "Format" haben soll und muß, dann säße ich vermutlich als Gehaltsempfänger beim Hessischen Rundfunk und bräuchte mir keine Gedanken über das nahende Rentenalter zu machen. War mein gesamtes Leben gegen Rechnungsstellung tätig und habe keine Rente, Sozialhilfe werde ich bestimmt nicht beantragen, wenn es nicht mehr geht.  Also muß ich bis zu meinem letzten Tag arbeiten oder hoffen, doch noch einen großen Wurf hinzubekommen. Eine Folge meines geführten Lebens." Dies war die Antwort auf die Frage des Ausganges eines zweiten Vorstellungsgespräches beim Hessischen Rundfunk, der ihn bedauerlicherweise abwies, wie auch andere etablierte Sender, auch Privatstationen. NIEMAND dort gab ihm ein kleines Gnadenbrot in Form eines Jobs, so daß er dem stressigen Überlebenskampf als Selbständiger weiter ausgesetzt blieb - den er nicht gewinnen konnte.
Bis zuletzt machte Roger Pläne und hatte Hoffnung auf ein neues Projekt, da die Tätigkeit bei Radio Northsea International im Webradio ehrenamtlich und beendet war.  Dies war eine seiner eigentlichen Größen, nie aufzugeben, dieser sein Charakterzug war vorbildlich und vorbildhaft. 

Meine Frage an seine Gegner sei:  hätte er alles widerspruchslos über sich ergehen lassen sollen, nie Stellung beziehen, zu einem 'angepassten Ja-Sager' werden sollen...?  Sicher nicht, dann hätten diese
Gegner nämlich kein so gutes Objekt Ihrer Kritik mehr gehabt....
Und eines ist sicher, es ist nicht alles einfach an ihm abgeprallt, er hat in persönlichen Gesprächen mir mehrfach gesagt, wie dankbar er für Unterstützung statt ständiger Kritik wäre...........er hätte meiner Meinung nach nie ein Wort in Foren schreiben, sondern diese Energie in 'Rundfunk machen' verwenden sollen, dort hatte er ein besseres Publikum, das sein unnachahmliches Talent, sein Wissen und seine Musik geschätzt haben!!  Leider hat ihm die deutsche Radiolandschaft keine Gelenheit mehr dazu gegeben, das ist die tiefere Tragik seines Lebens, was andere objektive Kommentatoren bereits bemerkten, er kämpfte gegen Windmühlen wie Don Quichote, wurde nur wegen seiner Meinung von potentiellen Arbeitgebern abgelehnt, obwohl sein Talent und seine Befähigung bekannt waren.

Man spricht in einem Nachruf des Respektes wegen nicht von den bei jedem Menschen vorhandenen Fehltritten, diese sind nach dem Tod vergeben, vergessen und verziehen.......!
Von Franz-Josef Strauss wird als Saldo seines Lebens nicht von einem Bordellbesuch gesprochen, sondern dass er ein beliebter Ministerpräsident in Bayern war.
So soll nun im Gedenken an Roger nicht seine streitbare Seite überwiegen, sondern seine Freunde werden sein Talent für gute Musikauswahl und dem Entdecken von feiner Musik in Erinnerung behalten und würdigen.
Nebenbei bemerkt: er war auch ein Anhänger des DX-Hobbies und den DX-Clubs sehr zugetan.-

Und er hatte viele Freunde, im lokalen Kreis sogar Fans, und wurde wieder und wieder bedrängt, zu seinen Wurzeln, dem "nur Radio machen", zurückzukehren, was finanziell leider nicht möglich war. Die Zuschriften nach den Gedenksendungen für Radio Victoria im Jahr 2008 sprechen für sich. Bei unserem letzten persönlichen Gespräch äußerte er: "Ich will in diesem Leben zumindest noch die wahre Geschichte der Seesender überarbeitet dokumentieren, das will ich neben Radio Victoria hinterlassen, denn die Beteiligten an dieser kleinen Revolution sterben so langsam alle weg, gibt bald keine Zeitzeugen mehr."
Wie recht er wieder hatte, wie in einer Vorahnung. Und sein Werk wird bei Radio Northsea so geschätzt und geachtet, dass die dortige Führung beschlossen hat, seine alten Sendungen das komplette Jahr 2013 zu wiederholen. Dort hat man seinen Fleiß und sein Können erkannt und respektiert!


Roger, Du wirst mir und uns allen fehlen, aber wir behalten Dein Andenken in Ehren!
Der Captain ist von Bord gegangen, es wird keinen anderen geben.
Bedauerlich, daß der ihm zugedachte LfK_Medienpreis nicht posthum verliehen werden kann.-

Ein besonderer Dank geht an alle, die ihm die letzte Ehre erwiesen haben, an all jene, die in Foren, Kommentaren und anderen Stellen im Web einen LETZTEN GRUSS geschrieben haben, und an Thomas Wollert, der den letzten Wunsch Roger's erfüllt hat, und insbesondere an Thomas Kircher von FM Kompakt.